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    Dennoch bleibt sich Sony treu und lässt es inder Werbungkrachen: Nicht weniger als die „weltweit beste Kamera in einem Smartphone“ versprechen die Japaner in Bezug auf die drei neuen Z5-Modelle, die alle über das identische Kameramodul verfügen. Zumindest von der reinen Auflösung mit 5520 x 4140 Bildpunkten oder 22,85 Megapixel führt Sony in jedem Fall schon mal das Feld an. Lediglich dasNokia Lumia 1020kann mit 38 Megapixel eine höhere Fotoauflösung vorweisen, hat aber auch schon zwei Jahre auf dem Buckel. Beim Blitz blieb es bei einer einzelnen LED, also weder Xenon noch Zweifarb-LED. Die Ausleuchtung des Nahbereichs fällt lediglich durchschnittlich aus. Ebenso wie die Auslöseverzögerung von rund 0,15 Sekunden. Die Frontkamera nimmt Fotos mit maximal 5 Megapixel auf.

    Neues Autofokus-System

    Der Autofokus ist vergleichsweise schnell, da sowohl der Phasenabgleich als auch die Kontrastmethode unterstützt werden und die Software entscheidet, wann welche geeignet ist – oder eine Kombination aus beiden. Trotzdem werden die von Sony proklamierten 0,3 Sekunden in der Praxis nahezu immer spürbar überschritten. Das Ergebnis kann aber meist rundum überzeugen, selbst bei (teilweise) nahen Motiven.

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    Neu ist zudem die Bildbearbeitung, die beispielsweise die Rauschunterdrückung nicht mehr pauschal für das gesamte Foto berechnet, sondern für jedes Motiv einzeln, also die Blume im Vordergrund anders als die Landschaft und den Himmel. Darüber hinaus hat der Nutzer die Wahl, Fotos mit 8 statt 23 Megapixel aufzunehmen, wobei die überschüssigen Pixel dazu verwendet werden, die Bilder per Oversampling zu optimieren – bekannt von Nokias „Pure-View“-Technologie. Eine nennenswerte Verbesserung konnte bei den Testbildern jedoch nicht festgestellt werden, man kann also getrost durchweg im 23-Megapixel-Modus operieren.

     

    Hybrid-Stabilisierer

    Beim Thema Stabilisierung hat sich Sony etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Während die meisten Smartphones mit einem digitalen Beruhiger arbeiten, also auf Softwarebasis, setzen Top-Modelle einen optischen ein, bei dem die Linsen manuell verschoben werden, um kleinere Bewegungen auszugleichen. Sony kombiniert beides zu einem "Hybrid Image Stabilizer" (HIS): Auf der Z-Achse kommt ein optisches System zum Einsatz, auf X- und Y-Achse hingegen ein digitales. Dadurch sollen Verzerrungen und Nachzieher reduziert werden, die Ergebnisse insgesamt besser ausfallen als bei einem rein optischen Stabilisierer.

    Endlich mit Modus-Speicher

    Die Nutzeroberfläche der Kamera-App hat Sony beibehalten, weshalb es zwei separate Auslöser für Fotos und Video gibt, Regler für Farbe sowie Helligkeit und zahlreiche vorinstallierte Modi wie Portrait, Panorama, oder Augmented Reality; weitere lassen sich herunterladen. Die maximale Auflösung ist nicht länger dem manuellen Modus vorbehalten, sondern kann auch in der „Überlegenen Automatik“ genutzt werden.

    Vor allem aber kassiert Sony ein dickes Lob dafür, dass der Modus nicht mehr nach jedem Beenden der Kamera-App in den Modus „Überlegene Automatik“ zurückfällt wie bisher. Wer also zum Beispiel zuletzt im manuellen Modus fotografiert hat, der im Test teilweise etwas bessere Resultate erzielte, findet diesen auch beim nächsten Gebrauch der Kamera vor und muss nicht mehr länger für jede Aufnahme immer wieder wechseln. Endlich!

    Enttäuschend für 23 Megapixel

    Die Qualität der Aufnahmen im werkseitig voreingestellten Modus „Überlegene Automatik“ enttäuscht: Die Schärfe nimmt zu den Ecken hin sichtbar ab, die Verzerrung zu. Auf großen Flächen wie am Himmel lassen sich zudem teilweise Artefakte in Form eines minimalen Grieselns ausmachen. Doch selbst in der Mitte reichen Schärfe und Detailtreue nicht an aktuelle Topmodelle heran, also beispielsweise an die S6-Modelle von Samsung oder dasLG G4.

    Bei Aufnahmen in geschlossenen Räumen kann der Hybrid-Stabilisierer nicht wirklich auftrumpfen, da hat man schon deutlich Besseres gesehen: Selbst ohne Bewegungsunschärfen wirken Kanten leicht ausgefranst und somit unscharf. Dieser Eindruck verstärkt sich, je schlechter die Lichtverhältnisse werden. Da tröstet es wenig, dass Farben in aller Regel sehr gut getroffen sind und das Bildrauschen bemerkenswert gering ausfällt für ein Smartphone. Unterm Strich bleibt lediglich ein „Befriedigend“ übrig, das für eine Kamera mit 23 Megapixel arg enttäuscht.

    Video

    Bewegtbilder nimmt das Sony wahlweise in Full HD (1920 x 1080 Pixel) mit 30 oder 60 Bildern pro Sekunde auf, oder in 4K (3840 x 2160 Pixel) mit 30 Frames pro Sekunde. Die Frontlinse liefert Full HD bei 30 Bildern pro Sekunde. In Full HD enttäuschen Schärfe und Detailtreue ähnlich wie bei den Fotos, außerdem ist das Bild durch ein recht starkes Grieseln geprägt. Kontraste und Dynamik sind oftmals zu intensiv, weshalb dunkle Partien des Bildes „absaufen“. Damit kann man sich arrangieren, zumal der Stereo-Ton gut ist und vor allen Dingen der Autofokus quasi nie pumpt. Doch für einen Vertreter der Oberklasse ist das trotzdem ein wenig enttäuschend.

    Nicht optimal

    Die Clips in 4K lassen Dank der properen Datenrate von 55 Megabit pro Sekunde so gut wie keine Artefakte erkennen. Schärfe und Detailtreue sind hier selbstverständlich deutlich höher, erreichen aber nicht das Niveau beispielsweise einesSamsung Galaxy Note 4. Und auch hier fällt die Dynamik teils zu hoch aus, Helles wird also zu hell, Dunkles zu dunkel eingefangen. Der Stabilisierer macht einen erstklassigen Job: Selbst im Gehen bleibt das Bild angenehm ruhig, da kann das Note 4 nicht mithalten. Beinahe – aber nicht ganz – kann das Z5 Compact an die Stabilisationsqualität desiPhone 6S Plusheranreichen, dessen Videos fast wie mit einer Steadicam gedreht wirken. Grundsätzlich scheint das Hybrid-System von Sony also eine gute Idee zu sein.

    Ganz ausgereift ist es aber offenbar noch nicht, denn immer wieder zeigten die Testaufnahmen ein merkwürdiges, schnelles Zittern – obwohl das Telefon bei den betreffenden Szenen auf einem Stativ stand und auch kein Wind ging. Einige Male verlor der Autofokus gar völlig die Schärfe, obwohl in diesen Situationen keine Bewegung im Motiv war und auch nicht geschwenkt wurde. Das legt den Schluss nahe, dass die Software noch nicht optimal arbeitet – was die Hoffnung aufkeimen lässt, dass Sony das per Update beheben kann und wird. Zum jetzigen Zeitpunkt aber muss die Videowertung des Z5 Compact auf ein „knappes Befriedigend“ abgewertet werden.


     

    Musik

    Am Referenz-Kopfhörer, den Ultimate Ears Reference Monitors, erzeugte der Proband im Hörtest einen zwar kräftigen, aber etwas unsauberen Klang. Bei den Höhen scheint es leicht an Frequenzgang zu fehlen, denn da klingt die Referenz, das Note 4, deutlich spritziger und präsenter, während sich das Sony ein wenig wie durch Watte hindurch anhört. Die Mitten und Bässe hingegen sind etwas überpräsent, weshalb das gesamte Klangbild weniger präzise wirkt, ja geradezu etwas dröhnend. Das ist ungewöhnlich für Sony, denn normalerweise glänzen die Xperias mit einem erfreulich klaren Klang, wenngleich sie auch noch nie wirklich referenzverdächtig waren. Warum der Sound beim Z5 Compact plötzlich einbricht, bleibt unklar. Jedenfalls reicht es in der Audiowertung lediglich zu einem „Befriedigend“.